Bericht Fasnacht.ch

Wiehlmys: Mäuse mit Löwenmut

31. Januar 2007 | von Fasnacht.ch

Es müssen im wahrsten Sinne des Wortes aufwühlende Erlebnisse gewesen sein, die 1957 zur Gründung der Wiehlmys geführt haben. Welche Differenzen innerhalb der heute nicht mehr existenten «Vereinigten Gundeldinger Basel» den Bruch besiegelten, ist leider nicht überliefert – anscheinend beschloss man an der Gründungssitzung ganz gentleman-like darüber zu schweigen. Sicher ist dagegen, dass die Abtrünnigen von der VGB als «Wühler» und «Wühlmäuse» bezeichnet wurden, und damit unbeabsichtigt zum Namensgeber der Abspaltung wurden, die sich fortan Wiehlmys nannte.

Jedenfalls stürzte sich die Clique fortan mit «Löwenmut» auf die anstehenden Fasnachtsvorbereitungen, die laut Gründungsprotokoll mit einem «unermässlichen Strom an
Schweisstropfen» verbunden waren. Trotz Regenschauer und Schneegestöber geriet die erste Wiehlmys-Fasnacht so zum herrlichen Erfolg. Der unverdrossene Optimismus der Clique hielt auch in späteren Jahren an, als die Clique einige Prüfungen zu bestehen hatte. In Folge eines gravierenden Pfeifermangels beschloss die reine Männerclique 1976, auch Mädchen in die Junge Garde aufzunehmen. Sechs Jahre später durften die ersten drei Frauen dem Stammverein beitreten. Damit gehörten die Wiehlmys zu den ersten gemischten Cliquen.

Weniger Glück hatte die Clique mit ihren Stammlokalen: Als 1970 das Restaurant Feldschlössli am Spalenberg abgerissen wurde, übersiedelten die ehemaligen Gundeldinger ins «Clara-Eck» und wurden zu einer Kleinbasler Clique. Doch auch das Clara-Eck blieb den Wiehlmys nicht erhalten. Nach Übergangsjahren im «Leuen», «Gryffe» und der «Rebe» war der Clique 1984 das Glück hold: Mit dem Umzug ins «Volkshaus» fanden die Wiehlmys endlich ein Zuhause.

Bis heute ist die Clique eng mit dem Volkshaus verbunden, auch wenn nun grössere Renovationsarbeiten anstehen, da in den Kellerwänden der ehemaligen Kegelbahn Salpetersäure entdeckt wurde. «Wir gehen diese Herausforderung an und sind fleissig am Arbeiten», meint Obfrau Claudia Neuenschwander mit ungebrochenem Enthusiasmus.

Unerschrocken runtergebrettert

Vielleicht entspringt aus den vielen Lokalwechseln die Eigenheit der Wiehlmys, gewisse fast vergessene Fasnachtstraditionen bis heute zu pflegen. So legt die Clique grossen Wert darauf, traditionelle Märsche wie den «Gässler» zu spielen. Lange Jahre waren auch die «Herrenbummel» der Clique jeweils ein aussergewöhnliches Erlebnis voller «spinniger Einfälle». So rasten die Wiehlmys mal unerschrocken mit Skiern den Fischmärt hinunter und fuhren mit selbst gebauten Schlauchbooten über den Rhein.

Wieso das 25-Jahre-Jubiläum 1983 erst ein Jahr zu spät gefeiert wurde, wird hingegen wohl nie ganz geklärt werden. «Wir Wiehlmys haben einfach einen speziellen Sinn für Humor», lacht die Obfrau. Wichtiger als einzelne Sujets ist der Clique die Offenheit: Bei den Wiehlmys ist jeder willkommen, was dazu geführt hat, dass auch Deutsche aus Lörrach und emigrierte Heimweh-Basler aus den USA an den drey scheenschte Dääg einstehen. Von den langjährigen Freundschaften der Clique zur Gugge Mohrekopf sowie zu den Kleinbasler Cliquen Rätz und Alti Glaibasler zeugen eine Vielzahl Glygge-Grimpeli und unvergessliche Feste wie der «Mohremys-Obe» 2001 im Gundeli-Casino.

Im Jubeljahr verzichten die Wiehlmys zwar auf ihre früheren Myys-Goschdym, beim samstäglichen Drummeli-Auftritt wird aber die ganze über 100-köpfige Fasnachtsgesellschaft inklusive Junger und Alter Garde auf der Bühne stehen. Gegen ein mögliches Lampenfieber hat die Junge Garde dann garantiert ein Rezept: Denn bereits seit zehn Jahren veredelt der Nachwuchs regelmässig mit musikalischen Kostproben das «Fasnachtsbändeli» . . .

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